Ich und meine Tiere

Mein Name ist Bianca Strauß. Ich bin 17 Jahre alt, wohne in Graz und gehe noch zur Schule. In meiner Freizeit betreibe ich gerne Sport, treffe mich mit Freunden und lasse meine kreative Ader aufleben.
Mit 12 Jahren habe ich meine ersten eigenen Tiere, 2 Meerschweinmännchen, von einem Hobbyzüchter geholt. Die Beiden waren sehr verwahrlost und ich verstand nicht, wie man für ein wenig Zusatzeinkommen (Der Sohn des Züchters finanzierte sich mit dem Verkauf der Tiere sein Taschengeld) so viel Tierleid verantworten konnte. Als meine ersten Haustiere endlich von Parasiten befreit waren und ihr neues Heim, einen handelsüblichen Käfig, bezogen hatten, war ich sehr glücklich. Lange hatte ich dafür gekämpft, endlich die Verantwortung für eigene Tiere zu tragen. Meine Eltern waren anfangs sehr skeptisch und hatten Angst, ich würde das Interesse an den Tieren verlieren. Aber so kam es nicht.
Mit der Zeit sammelte ich immer mehr Erfahrung und mit zunehmender Informationsflut fanden auch immer mehr Tiere den Weg in mein Zimmer. Ich holte zwei junge Kaninchenweibchen zu mir und nahm ein sehr krankes Meerschweinchen, das ich gesund pflegte, auf.
Ich war die einzige, die fest davon überzeugt war, dass Arthur, das Meerschweinchen, noch gerettet werden konnte. So geschah es auch und ab diesem Zeitpunkt bewahrheitete sich, dass auch so mancher hoffnungslos scheinender Fall noch zu einem glücklichen Ende kommen kann. Arthur erfreut sich nach erfolgreicher Genesung wieder bester Gesundheit, Jahre nachdem er im Wald gefunden wurde.
Dank Arthur lernte ich, was es heißt, um ein Leben zu kämpfen. Ich spülte seine Wunden und erkannte, wie dankbar er dafür war. Denn einzig in der ihm entgegengebrachte Fürsorge bestand die Chance auf sein Überleben.
Die Kaninchen in den Käfigen knabberten so lange am Gitter, bis sie ihren täglichen Freilauf im Zimmer bekamen. Nach jeder Erkundungstour der Tiere musste das Zimmer einer Grundreinigung unterzogen werden und ich erkannte, dass diese Art von Kaninchenhaltung wohl nicht von Dauer sein konnte.
Mein Vater war es schließlich, dem die Tiere in den Käfigen Leid taten und der ihnen einen Stall mit Freigehege baute und alles gut einzäunte, damit sich die Kaninchen in Sicherheit wiegen konnten. Schnell erkannte ich die Vorzüge der Haltung von großen Kaninchengruppen in Freigehegen und teile meine Erfahrungen seitdem auch zahlreichen anderen Tierhaltern und interessierten Menschen, speziell Kindern, mit. Ich habe einen guten Draht zu Kindern und versuche, ihnen so früh wie möglich den richtigen Umgang mit Kleintieren nahe zu legen, sie über das Verhalten der Tiere zu informieren und sie für artgerechte Tierhaltung zu begeistern.
Da mir diese sehr am Herzen liegt, möchte ich möglichst vielen Tieren ein schönes Leben ermöglichen. Doch dazu ist es von Nöten, auch andere Menschen zu Rate zu ziehen. Denn mein Ziel ist es keinesfalls, allen Tieren, bei denen ich der Meinung bin, sie bräuchten Hilfe, selbst ein Zuhause zu bieten und sie, aufgrund der Menge, zu vernachlässigen und irgendwann die Kontrolle über sie zu verlieren.
Ich hatte, bevor ich mich in das Abenteuer Freigehege und Balkonhaltung stürzte, nie die Chance, mich an anderen Kaninchenhaltern, die ihren Tieren ein möglich artgerechtes Leben bieten, zu orientieren. Rechnete auch nicht damit, wie viele Alternativen es zur handelsüblichen reinen Käfighaltung gibt. Viele Erkenntnisse konnte ich mir selbst mit der Zeit aneignen, insbesondere durch meine eigenen Tiere, der Rest an notwendiger Information bezog ich aus Fachbüchern und dem Internet.
Heute kann ich sagen, dass ich es nicht bereue, so vielen Tieren ein artgerechtes Zuhause zu bieten. Zurzeit betreue ich 18 Tiere, bis zur Matura nächsten Jahres sollen es aber nicht mehr werden, denn ich ziehe in Erwägung nach einem erfolgreichen Schulabschluss zu studieren.
In den letzten Jahren nahm ich vermehrt vernachlässigte, alte und kranke Tiere auf. Sie alle habe ich durch eine schwere Zeit begleitet und alle haben überlebt. Viel länger, als es ihr bloßes Schicksal bestimmt hätte. Bei mir haben diese Tiere einen Platz auf Lebzeit gefunden (Stand: Oktober 2011):
 
Attila
Arthur
Alice und Anita
Ronia und Monique
Merlin
Blackvinc, Venigia, Vincent und Luna
Juno
Don Jeronimo
Artemisia und Fiona
Cäsar
Nanouk
Evolie
 

Begegnungen des Alltags - Artikel im Journal Graz März 2011

Aus dem Leben von Blackvinc & Co

Wenn ich mich an dieser Stelle erst einmal höflichst vorstellen dürfte: Ich bin Blackvinc. Ich buddle gerne in der Erde, vielleicht stoße ich ja irgendwann auf einen ganz wertvollen Stein, bis jetzt habe ich leider nur Kies gefunden.
Als Kavalier der alten Schule weiß ich, wie man Frauen begeistert. Obwohl, sooo viele Begeisterungsstürme können mir gar nicht entgegenkommen. Leider haben sich schon länger keine neuen Frauen in unserer Familie blicken lassen. Aber die letzte war ohnehin zu aufdringlich. Einerseits so schüchtern, dass man meinte, sie wäre gar nicht da. Aber sobald man ihr den Rücken zuwandte, biss sie einem in den Hintern. Seltsames Mädl. Mittlerweile hat sie sich aber eingestanden, dass sie meiner Familie nicht auf die Nerven gehen soll. Sonst wird Papa böse.
Insgesamt gibt es zurzeit 6 Frauen in meiner näheren Umgebung: Mama, Schwester, Tante, Cousine, die übersensible Nervensäge Juno, über die ich ja bereits berichtet habe und unser Dienstmädchen, welches aus unerklärlichen Gründen nur 2 Beine hat. Total unpraktisch. Ich weiß nicht, wie es damit zurechtkommt.
Zudem gibt es noch meinen Papa, Merlin, auf den wir alle sehr stolz sind, weil er der Chef der ganzen Gruppe ist. Ansonsten lebe ich noch mit meinem Cousin Vincent und dem Neuzugang Jeronimo zusammen.
Aber alles von Anfang an. Nicht, dass Verwirrung aufkommt. Mit meiner Familie lebte ich einige Zeit im Zimmer unserer Futterspenderin. Das war total unpraktisch, weil sie viel zuviel Platz für sich beansprucht hat. Nun ja- War ja auch ihr Zimmer. Aber ihre Holzmöbel sahen so lecker aus, an dem Genuss hätte sie uns ruhig mal teilhaben lassen können. Für unsere Mitbewohnerin war es einfach nur Dekoration, sie hatte sogar ein Puppenhaus aus Holz. Ihre kleine Schwester kam immer wieder vorbei und spielte mit dem Puppenhaus. Sie hat wohl noch nicht gelernt, dass man mit Essen nicht spielt.
Die Käfige, in denen wir untergebracht wurden, waren zwar nicht klein, aber eben auch nicht groß genug. Als ich noch ein kleines Kurzhaarkaninchen mit Teddybär- Ohren und erst kürzlich geöffneten Augen war, hielt Venigia und mich nichts im Käfig. Venigia ist meine Schwester, wir verstehen uns sehr gut. Sie und meine Mama Ronja sind kleinwüchsig, haben aber keine Probleme damit. Auch unsere Mama konnte uns nicht von den erforschenden Erkundungstouren durch das Schreibtisch- Labyrinth und über die Sofaberge des Zimmers abhalten. Mama ist sehr klug. Sie beherrscht das Öffnen von Käfigtüren in mehreren Disziplinen. Aber viel hat es ihr nicht genutzt, der Zweibeiner hat das Gitter an der Seite mit einem Draht nach oben gespannt und fixiert. Mama biss in die Stäbe des Gitters, hob es an und stemmte sich dann dagegen, damit es sich öffnete, dieses Erfolgserlebnis blieb ihr ab diesem Zeitpunkt verwehrt.
Aber etwas Gutes hatte diese provokative Geste des Zweibeiners. Durch das Fixieren des Seiteneingangs nach oben entstand weiter unten eine Spalte zwischen den Stäben, die groß genug war, dass wir hindurchpassten. Leider nicht die ganze Familie, Mama musste Zuhause bleiben. Obwohl wir ihr versicherten, sie bräuchte sich keine Sorgen um uns machen, hüpfte sie im Käfig panisch auf und ab und wäre uns am Liebsten hinterher gelaufen, um uns der Reihe nach wieder einzusammeln.
Unsere Mitbewohnerin unterstütze unseren Bewegungsdrang auch immer so gut es ging. Sie hat Mama immer tatkräftig zur Seite gestanden. Wir wagten uns nur nach draußen, sobald der Zweibeiner vor dem Käfig saß, da der immer auf uns aufpasste. Wenn Mama allzu große Verlustängste plagten, dann setzte er uns immer zurück in den Käfig und Mama beruhigte sich wieder. Aber meist öffnete der Zweibeiner den Käfig und die ganze Familie durfte einen Spaziergang durchs Zimmer unternehmen.
Papa wurde von uns weggesperrt, solange wir noch klein waren. Mama meinte, dass war auch besser so. Denn einerseits musste Papa erst kastriert werden und andererseits waren wir auf diese Weise nicht schutzlos seinen Launen ausgeliefert. Mama sagt, er hat Angst, dass er ihr nicht mehr so wichtig ist, wenn sie uns hat. Außerdem befürchtet Merlin vielleicht, dass wir einmal seine Ehre verletzen und seine ranghöchste Position anfechten könnten. Das wäre eine Katastrophe für Papa. Des lieben Friedens Willen unterstützen wir ihn deshalb immer, nachdem wir groß genug waren, wenn er seine Position gegen blutsfremde Artgenossen verteidigte.
Ich war schon immer sehr aufgeweckt und neugierig. Der Zweibeiner hat schnell erkannt, dass ich auch der Intelligenteste unter meinen Verwandten war. Zwar hat er das nie gesagt, aber mit hat es immer total viel Spaß gemacht, von ihm Tricks zu lernen. Alle anderen Familienmitglieder sahen mir nur ratlos zu, sie sind wohl nicht so künstlerisch begabt wie ich. Es könnte alles so perfekt sein und doch sehnte ich mich nach der großen, weiten Welt. Auch die Kinder meiner Tante, die etwa zeitgleich mit uns auf die Welt gekommen waren, wollten Neues entdecken.
Wir brauchten unbedingt mehr Platz. Deshalb baute unser Zweibeiner mit einigen Komplizen eine Hütte. Zuerst dachten wir, er wolle uns einfach nur raus aus dem Zimmer haben, denn wir gestalteten ihm unseren Aufenthalt im selben Raum nicht immer einfach.
Mama erzählte mir, dass einige Zeit ein zweiter weiblicher Zweibeiner mit ihr und meiner Tante im Zimmer übernachtete. Da waren wir noch nicht auf der Welt und auch Papa rechnete noch nicht damit, einmal Vater zu werden. Die Neue Futterspenderin hat angeblich ganz oft von Schule geredet, deshalb nehme ich an, dass sie die Schule, was auch immer das ist, sehr gerne gehabt hat. Zuerst hatten Mama und ihre Schwester Angst vor der Neuen. Aber schnell fassten sie Vertrauen, als diese ihnen regelmäßig Leckerlis gab. Und zwar immer, wenn sie am Käfig vorbeiging und die Beiden bettelten.
Mama lernte schnell und so kam es, dass die Zweibeiner nachts immer wieder aufwachten, weil Mama am Käfiggitter knabberte und um Leckerlis bettelte. Denn meist hatten sie und Monique, meine Tante, die Leckerlis bekommen, damit sie leise waren, wenn ein Zweibeiner das Zimmer verlies. Sie erhofften sich immer Extra- Leckerbissen, sobald sie einen eventuellen Futterspender in ihrer Nähe erblickten. Ein volles Maul kann aber nicht gleichzeitig am Gitter knabbern, Zweibeiner sind wirklich sehr lernfähig. Mama eben aber auch. Sie hörte aber auf, den Zweibeiner auf die Nerven zu gehen, als diese ihnen nur mehr Leckerlis gaben, sobald es leise war. Und dann kamen sowieso schon wir und es blieb nicht mehr so viel Zeit für Mama, auf ihre eigenen Bedürfnisse Wert zu legen. Sie lernte, Verantwortung zu übernehmen.
Und dann kam endlich der Tag, an dem wir raus in den Garten durften. Endlich lernte ich auch die anderen Familienmitglieder kennen. An der frischen Luft war es herrlich. Unser neues Zuhause war ein naturgetreu eingerichtetes Freigehege mit einer großen gedämmten Hütte, damit uns im Winter nicht kalt wurde. Das Gehege war rundherum eingezäunt, damit nirgends Gefahren auf uns lauerten.
Das ganze Außergehege war voll mit weicher, schöner Erde und sofort gingen wir unserem Höhlenbauinstinkt nach. Das war so ein befreiendes und unabhängiges Gefühl, sich selbst nach eigenen Wünschen Unterkünfte im kühlen Boden zu errichten. Aber die Zweibeiner hatten mitgedacht. Schnell merkten wir, dass sie das Gitter von den Seitenwänden auch tief im Boden verankert hatten, damit wir uns nicht irrtümlich rausbuddeln konnten. Echt gemein, das Gemüse des nahen Gartens sah so lecker aus. Jeden Tag sahen wir, wie es heranwuchs und immer reifer und saftiger zu werden schien und doch durften wir nicht kosten, um uns von seinem Reifegrad zu überzeugen.
Das ließen wir uns nicht gefallen. Eines Nachts schmiedeten wir heimlich einen Plan. Mama, eine pflichtbewusste Hausfrau, die oft begeistert am buddeln war, hatte den Eingang zu einem Fluchtweg freigelegt. Unter dem Fundament der Hütte hatten die Zweibeiner eine Schicht grobkörnige Kiesel aufgeschüttet. Lächerlich, wenn sie glaubten, dass würde uns vom Graben abhalten. Leichtsinnig war es auch, dass die Zweibeiner vor der Hütte nicht einmal ein Gitter angebracht hatten. Wir halfen uns alle gegenseitig und schließlich hatten wir es gemeinsam geschafft, einen Tunnel in die Freiheit unter der Hütte hindurch zu buddeln. Eine wirklich schweißtreibende Angelegenheit, aber andererseits ein lang gehegter Traum, der nun in Erfüllung ging. In einer Nacht und Nebelaktion krochen alle durch den Tunnel, einer nach dem anderen. Obwohl, ich gebe zu, sogar ich zweifelte zuerst daran, unser Vorhaben in die Tat umzusetzen. Doch schließlich wagten alle meine lieb gewonnenen Verwandten den Schritt in die Freiheit. Ich wollte nicht ausgeschlossen werden und nur mal einen kleinen Adrenalinkick haben, deshalb folgte ich ihnen. Zurück konnte ich ohnehin immer noch. Aber was, wenn es mir draußen so gut gefiel, dass ich gar nicht mehr zurück wollte?
In der besagten Nacht machten wir also Ernst.
Doch nachdem ich endlich in die Freiheit gelangt war, kamen starke Zweifel in mir hoch. Wir hatten uns in dem Gehege wohl gefühlt. Alles gehabt, was wir zum Leben brauchten. Hatten als Familie ein glückliches Zusammensein geführt. Und auf einmal sollten sich unsere Wege trennen? Ich wurde ganz traurig. Wir befanden uns mitten auf einem Grundstück in einer uns fremden Stadt, in der tausende Gefahren auf uns lauerten. Große rollende Metallkäfige, manchmal von oben bis unten voll gestopft mit Menschen und allem, was diese nicht missen wollen und, noch schlimmer, Katzen. Ebenso, wie wir ohne Probleme das Grundstück verlassen konnten, konnten diese hinein.
Ich sah, wie meine Schwester am Ausgang des Fluchtwegs stand und überlegte, wieder umzukehren. Andere Familienmitglieder wiederum hoppelten vergnügt, sich keinerlei Gefahren bewusst, in der Gegend herum und waren eben dabei, sich gegenseitig aus den Augen zu verlieren. Vor allem aber plagte mich ein schlechtes Gewissen, weil wir eben dabei waren, einen ganz schlimmen Fehler zu begehen und die Person zu enttäuschen, die uns unser Leben erst lebenswert gemacht hatte.
Nach endlos scheinenden Minuten, vielleicht waren es auch Stunden, ich weiß es nicht mehr so genau, lies sich endlich die Sonne blicken. Langsam kündigten ihre Sonnenstrahlen in Kombination mit Vogelgezwitscher den Anbruch eines neuen Tages an. Ich hatte mich bemüht, meine Familie so gut es ging beisammen zuhalten und sie über die vielen Gefahren aufzuklären. Zwar hatte ich viel Überzeugungsarbeit geleistet, aber die neuen Möglichkeiten, die uns nun offen standen, wollte sich keiner entgehen lassen.
Endlich kam der Zweibeiner. Richtig aufgeregt war er und ebenso überrascht, als ich auf ihn zukam vor lauter Freude, ihn zu sehen. Er nahm mich auf den Arm und setzte mich wieder in das Gehege. Eigentlich wollte er wie jeden Morgen nur zum Wasserwechseln bei uns vorbeischauen, doch dies konnte nun warten. Als ich die anderen draußen herumspringen sah, überkam es mich einfach und ich musste noch einmal raus, sonst hätte ich mir diese entgangene Chance nie verziehen. Also, auf ein Neues! Noch einmal durch den Tunnel, ab in die Freiheit. Mittlerweile hatte der Zweibeiner Verstärkung geholt und machte ein wahrlich verzweifeltes Gesicht, als er mich abermals draußen sah. Er gab sein Bestes, so viele wie möglich von uns einzufangen. Oft wusste er gar nicht, wo er zuerst hinsollte, denn wir strebten in alle Richtungen davon.
Wahrscheinlich hatte unsere Empfangsdame das Gefühl, sie müsse uns alle gleichzeitig einsammeln, weil wir ja jederzeit verschwinden konnten. Ohne uns zu verabschieden, einfach auf Nimmerwiedersehen. Zeitgleich wurde das Gehege nach Schwachstellen kontrolliert, weil eingefangene Familienmitglieder fortwährend immer wieder im Freien landeten. Schließlich wurde das Loch, das sich unter der Rampe, die uns einen leichteren Einstieg in die Hütte ermöglichen sollte, von den Zweibeinern entdeckt und notdürftig verschlossen.
Dann folgte ein lustiges Abfang- und Versteckspiel. Mama hoppelte immer um die Hütte, Papa versteckte sich in den nahen Büschen, meine Tante sprang vergnügt über die Wiese und alle anderen waren irgendwo.
Doch mit der Zeit füllte sich das Gehege wieder. Ich kam schließlich sogar freiwillig zu der verzweifelten Empfangsdame, weil ich Mitleid mit ihr hatte und ihr dieses Erfolgserlebnis gönnen wollte. Schon nach kurzer Zeit schien der Familienfrieden wiederhergestellt und die Familie komplett zu sein, da bemerkten wir, dass Luna fehlte.
Luna, meine Cousine, war schon immer sehr scheu gewesen. Sie war zwar echt nett, aber sogar uns gegenüber oft schüchtern. Ich hatte sie aber sehr gerne und kuschelte oft mit ihr. Umso trauriger, dass sie nun weg war. Sie war eigentlich immer eine Einzelgängerin gewesen, schloss sich nicht gerne irgendwelchen Gruppen an. Schon gar nicht ließ sie sich von den Menschen angreifen. Die Zweibeiner akzeptierten ihre Entscheidung und sie wurde nie zu irgendwelchen Formen einer Kontaktaufnahme gezwungen.
Niemand hatte ihr je Böses wollen, deshalb gab es für sie eigentlich auch keinen Grund, Angst zu haben. Sie wollte sich aber an nichts und niemanden binden, war immer sehr eigenbrötlerisch. Und doch hatten wir sie alle lieb gewonnen. Ohne sie war unsere Familie einfach nicht komplett, besonders Monique machte sich große Vorwürfe.
Sehr dankbar bin ich den Zweibeinern, dass die ganze Fangaktion für uns Tiere sehr schonend von Statten ging. Sie haben weder mit Netzen, noch Gittern oder sonstigen Hilfsmitteln, die uns nur zusätzlichen Stress bereitet hätten, gearbeitet. Sie haben uns alle mit den Händen eingefangen und sind auch nicht stundenlang hinterhergelaufen, damit hätten sie und nämlich verschreckt und somit verjagt. Es ist nun mal unser Instinkt, zu flüchten, sobald wir verfolgt werden. Nun wollt ihr aber sicher wissen, ob Luna noch unter uns weilt.
Erst, als keiner mehr damit rechnete, Stunden später, tauchte sie wieder auf. Schließlich tolerierte sie sogar die Anwesenheit der Zweibeiner und ließ sich ausnahmsweise aufheben und in das Gehege setzten. Dort begrüßten wir sie gleich stürmisch und durchlöcherten sie mit Fragen, wo sie den in ihrer Abwesenheit verblieben war.
Uns allen war die Entscheidung offen, ob wir blieben, oder das Weite suchten. Schlussendlich aber kam sogar Luna zurück. Da haben die Zweibeiner aber großes Glück mit uns gehabt. Schließlich waren wir froh, uns wieder in Sicherheit zu wiegen. Spätestens, als die Katze des Nachbarn vorbeischaute und uns aus sicherer Entfernung beobachtete. Sie wusste es und wir auch, hinter dem Gitter waren wir vor ihr sicher.
Bis heute haben wir unsere Entscheidung, zu bleiben, nicht bereut. Denn wir führen weiterhin ein wunderbares Leben.
Es war ein kleiner Schritt in die Freiheit für uns, aber ein großer, um zu erkennen, dass wir dafür einfach nicht bereit waren.
In jener Nacht merkten wir, wie sehr wir unsere Anwesenheit im Kreise der Familie und unser bisheriges Leben, das uns immer so artgerecht und liebevoll wie möglich gestaltet wurde, eigentlich schätzten. Wie sehr wir daran hingen. Zuhause ist es doch am Schönsten.

Cäsars Schicksal- Toterklärte leben länger

Toderklärte leben länger …

Monatelang irrte Cäsar völlig blind und wehrlos durchs Leben. Alleine, unerwünscht, man hatte ihn ausgesetzt. Vielen Menschen war er schon begegnet, für die meisten war er ein hoffnungsloser Fall. Auf dem einen Auge hatte er einen Hornhautdefekt, das andere hatte sich fast vollständig zersetzt. Seine Lider und Bindehäute waren angeschwollen und beide Augen eiterten unaufhörlich. Wer hat dafür die Verantwortung zu tragen, wo kam er her, wer wollte ihn loswerden? Die meisten Antworten trägt er selbst in Form belastender Erinnerungen ein Leben lang mit sich herum. Wer konnte ihm das antun, er war doch so ein liebes, genügsames Tier.
Immer, wenn man seinen Käfig öffnete, wusste er nicht, was ihn erwartete. Würden ihm Schmerzen zugefügt werden? Es fiel ihm schwer, zu urteilen und er bekam Panik. Stets suchte er unter einem Holzunterstand Schutz. Diesen hat er noch heute, aber er ist schon lange nicht mehr abhängig von Orten, die seine Hilflosigkeit sogar noch unterstreichen. So wie andere Tiere ihr Lieblingsspielzeug haben, hat er seinen wackeligen Unterstand, der ihn immer begleitet. Und doch blieb er tapfer. Suchte sich sein Futter und Wasser, ohne es je mit den Augen wahrgenommen zu haben. Er wollte nicht aufgeben und kämpfte. Nachdem zahlreiche Medikamente nicht die gewünschte Wirkung zeigten, erkannte ich seine Hilflosigkeit. Mit aller Kraft wollte er durchhalten, schaffte es aber aus eigenen Kräften nicht mehr.
Als ich ihn zu mir nahm, war Cäsar abgemagert und schwach. Da er sehr empfindlich auf Staub reagierte, kann er bis heute nicht zu meinen anderen Tieren ins Freigehege. Dennoch genoss er 24 Stunden am Tag Freilauf. Er verstand, welche Anforderungen ich an ein stubenreines Kaninchen stellte und lernte schnell. Viel Hoffnung, dass er jemals wieder seine Umwelt sehend wahrnehmen konnte, gab es bei ihm nicht. Und dennoch waren Käfiggitter nicht von Nöten. Warum ein Kaninchen einsperren, das sowieso nicht sieht, wo der Käfig zu Ende ist?
Die ersten Wochen blieb er in der Wanne des Käfigs. Er hatte Angst davor, über den Rand zu springen, da er nur vermuten konnte, was sich dahinter befand. Zwar streckte er sein Köpfchen immer wieder über diesen hinweg, blieb aber misstrauisch. Damit er nicht so alleine war, leistete ihm Don Jeronimo, den ich auch aus dem Tierheim holte, Gesellschaft. Die Beiden verstanden sich gut aber Jeronimo verstand nicht, warum Cäsar nicht herumhoppeln wollte. Immer wieder sprang er zu ihm und wieder aus der Käfigwanne heraus, um es ihm vorzumachen. Aber Cäsar traute sich nicht, ihm nachzueifern.
Jeden Tag säuberte ich Cäsars Augen. Besonders anfangs war es für mich nicht einfach, denn er hatte seit Wochen eiternde Augen, viele schmerzende Stellen und man konnte in erster Zeit keine sichtliche Verbesserung feststellen. An den Tränendrüsen durfte er erst behandelt werden, sobald die Augen sich beruhigt hatten. Aber die Tränendrüsen brachten die Augen zum Eitern. Ein Teufelskreis, bei dem man nur noch auf ein Wunder hoffen konnte.
Vor Cäsar hatten schon viele ernsthaft kranke Tiere auf meinem „kleinen Gnadenhof“ eine zweite Chance bekommen. Es ist nur schade, dass die Tiere oft erst dann kommen, wenn es schlecht um ihren weiteren Werdegang steht. Somit müssen sie oft Schmerzen ertragen, die bei einer zeitgerechten Behandlung nicht von Nöten gewesen wären. Aber oft finden sich zu wenige Menschen, die sich fürsorglich aufopfert um kranke Tiere kümmern, die sonst keiner haben will.
Schließlich gelang es uns doch noch, wenigstens das gesündere Auge zu retten. Nach der Behandlung der Tränendrüsen ging die Schwellung sichtlich zurück. Es war wie der Moment, an dem kleine (Tier-) Kinder zum ersten Mal die Augen öffneten, als Cäsars wunderschönes blaues Auge, das sich mit der Zeit zur Gänze erholte, zum Vorschein kam. Die Reste des anderen Auges sind mittlerweile entfernt und es besteht kein Eiterherd mehr.
Er gewann neue Lebensfreude, hoppelte herum und genoss die Gewissheit des sicheren Auftretens. Zwar hat er Segelohren, die auf den ersten Blick etwas befremdlich wirken, aber man gewöhnt sich an den Anblick so sehr, dass man seine charakteristischen Ohren nicht mehr missen will. Hauptsache, die erfüllen ihre Funktion und er kann hören.
Nachdem ihm zusätzlich zu seinem Artgenossen auch noch ein dreibeiniges Kaninchen, welches ebenfalls bei mir landete und nicht ins Freigehege durfte, Gesellschaft leistete, blühte er völlig auf. Hüpfte erfreut durchs ganze Zimmer und gewann neues Selbstvertrauen.
Wahrscheinlich wird er ewig ein Pflegling, der somit auch routinierte Pflichten mit sich bringt, bleiben. Doch aufgrund der Tatsache, dass er eigentlich schon vor Monaten eingeschläfert werden hätte sollen, können wir uns beide wohl getrost mit der jetzigen Situation zufrieden geben.

Fotos

 

Zweifelhafte Fellverwertung

Tausende Tiere fallen jährlich der Pelzindustrie zum Opfer. Doch die Tiere müssen ihr Schicksal wehrlos über sich ergehen lassen. In erster Linie ist es Aufgabe der Menschen, die Pelzproduktion nicht mehr zu unterstützen. Nicht zuletzt zum Wohle der Tiere ist es an der Zeit, auf eine der vielen Alternativen, für die keine Tiere Schaden nehmen, zurückzugreifen.
Seitens des Tierschutzes wird die Thematik, Tiere nur wegen ihrer Felle umzubringen, schon lange angefeindet. Denn die meisten der Pelztiere werden nur für den Zweck gezüchtet, lediglich ihren Haarschmuck der Öffentlichkeit zu präsentieren. Unter welchen Umständen das Tier gelebt hat, wird meist nicht hinterfragt.
Pelze sind oft einzigartig in Fertigung und Optik, auf das penibelste den Wünschen des Kundenstamms angepasst. In stundenlanger Arbeit werden sie ohne Rücksicht auf Verluste aus dem Körperschmuck von hunderten Tieren gefertigt. Auf ein makelloses Fell wird Wert gelegt, die Tatsache, dass die Tiere dafür sterben müssen, wird einfach verdrängt.
Beliebte Pelztiere wie Füchse und Nerze werden nur mit dem Nötigsten versorgt. Tiere, die sich einander in freier Natur bitteren Rangkämpfen aussetzen würden, werden auf engstem Raum eingepfercht und vegetieren dem Anblick des Todes entgegen.
In weltweit angelegten Pelztierfarmen werden dem Futter der Tiere oft Psychopharmaka beigemischt, um sie ruhig zu stellen und möglichst viele ihrer natürlichen Bedürfnisse zu unterdrücken. Oft werden die Tiere jeder Witterung ausgesetzt, damit ihnen ein möglichst dichtes Fell wächst.
Auch Nutrias, eine Biberart, werden für Pelze gezüchtet. Obwohl diese Tiere eigentlich im Wasser leben und Kälte verabscheuen, werden sie allzu oft in unbeheizten Massenzuchtanlagen auf kahlem Betonboden, auf dem sie sich die Füße wund laufen, gezüchtet und erfrieren nicht selten.
Seltene Felle von beinahe ausgestorbenen, frei lebenden, Tieren sind als „Trophäenersatz“ sehr beliebt. In Fangeisen gefangen verenden Wildtiere oft erst nach Tagen an den qualvollen Folgen dieser grausamen Freiheitsberaubung. Viele von ihnen werden zudem illegal gejagt.
Eichhörnchen springen oft in Parks von Baum zu Baum und erfreuen uns mit ihrer Anwesenheit. Weniger erfreulich ist jedoch die Tatsache, dass für einen einzigen Mantel über 100 dieser Tiere getötet werden.
Hunde und Katzen gehören zu den beliebtesten Haustieren und stehen ihren Besitzern meist in allen Lebenslagen treu zur Seite. Doch eben so beliebt und weit verbreitet wie die Tiere selbst ist auch ihr Fell vor allem als Innenfutter für Taschen und Handschuhe oder als Pelzkragen vorzufinden. Zu Hunderten werden die Tiere auf Pelzmärkten angeboten, viele von ihnen verhungern, verdursten, erliegen ihrer Verletzungen oder sterben vor Erschöpfung, bevor sich überhaupt ein Interessent für die „Weiterverarbeitung“ findet. In extremen Fällen werden die Tiere bei lebendigem Leibe gehäutet, kämpfen in Todesangst ums Überleben, auch wenn keine Chance mehr besteht. Genauer möchte ich an dieser Stelle auf solch grausame Szenarien aber nicht eingehen.
Lobenswerter Weise gibt es immer mehr Menschen, die zurrecht den eigentlichen Nutzen von Pelz hinterfragen. Immerhin gibt es mittlerweile zahlreiche Alternativen, den Körper zu wärmen und wir sind keinesfalls dazu gezwungen, auf Methoden der Urzeitmenschen zurückzugreifen. Sogar die gingen aber mit gutem Beispiel voran und töteten die Tiere hauptsächlich wegen des Fleisches, das Fell war nur von praktischem Nutzen. Heutzutage ist das Fleisch der meisten bevorzugen Fellspender kein beliebter Snack unter Menschen. Zwar gibt es auch heute noch genug  fleischreiche Nutztiere, doch wer legt schon Wert auf einen „Original Holsteiner- Milchkuh“ Mantel? Die Nachfrage danach ist einfach zu gering. Zudem ist das Fell von Nutztieren meist borstig, hat unpassende Farben oder gar einen etwas strengen Geruch.
Bei modernen Pelzmänteln wird viel Wert auf einen angenehmen Tragekomfort gelegt. Dass ein Stoff aus feinen Baumwollfasern zu ziemlich dem gleichen Wohlfühlfaktor führt, ist bekannt. Doch leider erfreut sich Echtpelz in Kennerkreisen nach wie vor einer hohen Beliebtheit und ist bei entsprechenden Lokalitäten der meist einzig gerngesehene „tierische“ Gast.
Die Pelztiere bieten auch in lebendiger Form oft einen allzu reizenden Anblick. Doch die artgerechte Haltung der Tiere, die damit verbundene Verantwortung, schreckt viele Menschen ab. Deshalb werden einfach die Teile zurechtgeschnipselt, die man auf Wunsch immer bei sich tragen will. Eigentlich schade um die Tiere.
Und doch horten einige Menschen die Felle der Tiere in den Kleiderschränken dieser Welt.
Vergleichbar ist dieses Phänomen mit dem der Schmetterlingssammler. Die seltensten, schönsten und kostbarsten Schmetterlinge werden eingefangen, umgebracht, getrocknet und verweilen aufgespießt in Sammelkästen als Schauobjekte. Es gibt aber nicht nur einen Sammler, sondern mehrere und alle wollen die schönsten Tiere haben, somit werden die seltenen Schmetterlinge noch seltener. Die Tiere müssen nur sterben, um den Besitz des Sammlers zu repräsentieren. Der mit den wertvollsten Tieren wird in Kennerkreisen dann hoch gefeiert und fühlt sich in seinem Tun und Handeln bestätigt. Doch die Schmetterlingssammler bleiben meist unter sich, suchen sich Gleichgesinnte. Pelzverkäufer und Hersteller indes werben um einen möglichst großen Kundenstamm, reden den Pelz schön. Sie wollen der Öffentlichkeit die Illusion eines einzigartigen Kleidungsstückes nahelegen, dass ihnen viel Aufmerksamkeit verschafft. Bekanntlich machen Kleider Leute. Doch aus der Sicht der Normalverbraucher ist Kleidung manchmal genau so zweifelhaft, wie das Kaufverhalten der Personen darin. Eines sei gesagt: Jeder Pelzträger macht Werbung für ein überflüssiges Produkt, welches beweist, dass die Profitgier und das Heucheln nach Anerkennung  und Aufmerksamkeit mancher Menschen oft grenzenlos scheint. Wenn die Nachfrage steigt, dann steigt auch das Tierleid. Eine Tatsache, die es in zweierlei Hinsicht zu beenden gilt.
Zum Schlusse sei erwähnt: Wie man zu Pelzen steht, ist jedem selbst überlassen. Doch ich finde nicht, dass es der Mensch in heutiger Zeit noch nötig hat, sich in Tierpelz zu hüllen. Immerhin ist dies eine sehr haarige Angelegenheit.

Eine Geschichte vom Loslassen - Flieg Schmetterling flieg, bevor du es verlernst

Als ein kleines Mädchen eines Abends das Fenster seines Zimmers schloss, flatterte ihm daraus ein Schmetterling entgegen. Dieser gefiel dem Mädchen sehr und da er einen erschöpften Eindruck machte, beschloss es, ihn für einige Zeit zu pflegen. Noch nie war es einem Schmetterling so nahe gekommen.
Draußen war es schon dunkel und kalt und er war sicherlich nur auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz gewesen. In dem Zimmer konnte er es sich gutgehen lassen und seine Schönheit entfalten, so dachte das Mädchen.
Am nächsten Tag brachte es dem Schmetterling Zuckerwasser, Honig und Marmelade, von denen es liebevoll kleine Portionen in Puppentellern auf der Fensterbank anrichtete.
Der Schmetterling flog nicht weg. Was wahrscheinlich daran lag, dass das Mädchen keines der Fenster öffnete. Aber er konnte gut fliegen und in seiner Verzweiflung flatterte er immer wieder gegen die Fensterscheibe. Doch seinem dringenden Wunsch, in Genuss der Freiheit zu kommen, konnte er nicht nachgehen.
Die Entscheidung, wo er sein restliches Leben verbrachte, lag allein in der Hand des Mädchens. Doch dieses wollte den Abschied hinauszögern, weil es mit Freuden wahrnahm, dass es ihm Tag für Tag besser ging. Doch auch der Drang nach Freiheit wuchs. Bei dem Mädchen und bei dem Schmetterling. Bei dem Mädchen, weil es den Moment herbeisehnte, an dem es das Fenster öffnete und der Schmetterling freudig das Zimmer verlies. Bei dem Schmetterling, weil es ihm schon egal war, welches Wetter draußen herrschte oder welche Tageszeit war, er wollte nur noch seinen Artgenossen Gesellschaft leisten.
Doch obwohl Beide, das Mädchen und der Schmetterling, sich nichts sehnlicher wünschten als ein offenes Fenster, wollte das Mädchen den Abschied immer weiter hinauszögern. Es wollte sichergehen, dass es dem Schmetterling auch wirklich gut ging und das es garantiert sein Bestes gegeben hatte, wenn dieser es verlies.
Immer wieder wollte der Schmetterling nach draußen, doch das Mädchen wartete noch auf den richtigen Moment. Jeder Tag, der verging, brachte etwas Unpassendes mit sich. Entweder regnete es, war es kalt, zu windig oder die Sonne ließ sich nicht blicken.
Eines Tages verletzte sich der Schmetterling am Flügel, weil er am Vorhang des Fensters hängenblieb. Hilflos flatterte er am Boden herum und versuchte verzweifelt, wieder zum Fenster zu fliegen. Doch es gelang ihm nicht. Dem Mädchen tat er sehr leid, deshalb beschloss es, ihn so lange zu behalten, bis er wieder fliegen konnte.
Auf einmal verschwand der Schmetterling. Das Mädchen hatte nur kurz das Zimmer verlassen und plötzlich war er nicht mehr da. Es suchte das ganze Zimmer nach ihm ab, doch es konnte ihn nicht finden.
Das Mädchen wurde sehr traurig, weil es wusste, dass es falsch gehandelt und zu lange gewartet hatte. Es hätte den Schmetterling schon spätestens bei dem ersten Sonnenstrahl wieder in die Freiheit entlassen müssen. Und nun war er weg. Es machte sich Vorwürfe, weil der Schmetterling kein Lebenszeichen von sich gab.
Stunden später hörte es ein Rascheln in der Nähe seines Schreibtisches. Sofort suchte es die Schreibfläche ab, hob behutsam Buch für Buch. Doch es konnte seinen kleinen Freund nicht finden.
In den Laden des Tisches setzte es seine Suche fort. Als es noch einmal horchte, konnte es ein Kratzen in der untersten Schublade orten. Es hob einen Karton hoch und dahinter lag der Schmetterling. Mit letzter Kraft hatte er sich bemerkbar gemacht.
Das Mädchen nahm ihn vorsichtig hoch und setzte ihn auf ein nasses Tuch. Lange Zeit konnte er sich nicht einmal auf den Beinen halten und sein kleiner Körper schwankte von einer Seite zur anderen. Aber er trank.
Das Mädchen freute sich, als es bemerkte, wie sich der Lebenswille wieder seinen Weg in den schlaffen Körper bannte.
Am nächsten Tag setzte es den Schmetterling auf ein Regal in der Gartenscheune und lies die Türe offen, damit er jederzeit in die Freiheit entfliehen konnte. Es wusste, dass es unverantwortlich war, ihn weiter zu behalten, denn eine große Hilfe war es ihm ohnehin nicht gewesen. Es wollte ihn nicht loslassen und dadurch hatte es ihn schlussendlich vielleicht sogar verloren.
Am nächsten Tag saß der Schmetterling nicht mehr auf dem Regal. Bis heute weiß keiner, ob diese Geschichte vom Loslassen ein gutes Ende nahm.
Immer wieder beobachtete das Mädchen die Schmetterlinge im Garten. Vielleicht leistete auch der aus seinem Zimmer ihnen Gesellschaft. Doch so genau sagen konnte es das nicht, denn sie sahen alle gleich schön aus. Vielleicht flog sein kleiner Freund glücklich von Blüte zu Blüte oder er wünschte sich, dem Mädchen nie begegnet zu sein. Das stimmte das Mädchen nachdenklich und es beschloss, kein Wildtier mehr wegen dessen Schönheit, Einzigartigkeit, Intelligenz oder Verhalten festzuhalten, wenn es zum Nachteil des Tieres war. Von diesem Tag an war es damit zufrieden, die Schmetterlinge aus der Ferne zu betrachten.

Verschenkter Osterhase

Ostern naht und auch heuer spielen sicherlich wieder zahlreiche „Osterhasen“ mit dem Gedanken Tiere zu verschenken. Wenn es darum geht, vorwiegend Kindern den Traum vom eigenen (meist als lebendiges Kuscheltier angeschafftem) Haustier zu erfüllen, ist man schon lange nicht mehr wählerisch. Da tut es ein Tier aus dem Zoohandel genauso wie eines vom Züchter. Die Tiere sind nicht teuer, machen viel Freude und wenig Arbeit. Glaubt man zumindest. Die Realität sieht jedoch anders aus. Oft verlieren die Beschenkten schon nach einigen Tagen das Interesse an den, oft ohne große Überlegungen, angeschafften Tieren.
In den meisten Fällen werden geschenkte Osterhäschen und Co. in viel zu kleinen Käfigen gehalten und sitzen den ganzen Tag in der Ecke. Doch auch wenn es den Eindruck macht  handelt es sich keinesfalls um langweilige, sondern um gelangweilte Tiere. Viele Tiere sind unterfordert und lassen ihren Frust an allem aus, was ihnen in den Weg kommt. Oft wird die Schuld auf das Tier geschoben, das dann meist noch weniger Beachtung bekommt oder in ein Tierheim bzw. zu anderen Personen entsorgt wird, um sich der Verantwortung zu entziehen.
Wenn man so mit Tieren umgeht können Kinder unmöglich den artgerechten Umgang mit ihnen erlernen. Tiere sind kein Spielzeug! Natürlich leuchten die Kinderaugen beim Anblick der Tiere und die Freude ist groß, aber kein Kind denkt in einem solchen Moment daran, wer für die Pflege aufkommt, wer alle Kosten und vor allem die Verantwortung für das Tier übernimmt.
Nur wenige „Osterhasen“ holen das Wunschtier aus dem Tierheim. Auch nur die wenigsten bedenken, dass dort all die ungewollten Tiere in den Tagen nach Ostern landen. Unter anderem viele Kaninchen, die allem Anschein nach mit dem Osterhasen verwechselt wurden.
Insbesondere in den Tagen vor Ostern haben viele Tierhandlungen eine große Auswahl an jungen Nagern. Dies wäre nicht der Fall, würde keine Nachfrage bestehen. Von überall preisen viele (Hobby-)Züchter mit „süßen Osterhäschen“.
Wenn man Kaninchen und Co. zu Ostern besorgen kann, dann auch an allen anderen Tagen im Jahr. Über die Anschaffung von Tieren sollte stets der zukünftige Besitzer informiert sein. Dies ist bei überraschend geschenkten Tieren nicht der Fall.
In erster Linie will gut überlegt sein, ob man die Massenvermarktung von Tieren (als Ostergeschenk) unterstützt, oder welche aus dem Tierheim holt, bei denen es sich vielleicht um die Osterhäschen vom Vorjahr handelt. Natürlich sollten die richtigen Voraussetzungen für eine Tieraufnahme bestehen, mit deren Auswahl auch das Tier zufrieden ist.
Mit einem Schokohasen kann da schon viel weniger schief gehen. Bekanntlich lieben Kinder Schokolade.
Den wahren Osterhasen kann ohnehin niemand fangen, der hoppelt frei und unbeschwert in den Köpfen der Menschen. Für so manches Tier wäre es sicherlich auch besser, es bliebe bei dem bloßen Gedanken einer Anschaffung.

 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an

office(at)purzelundvicky.at